TecArt Black Dragons Erfurt vs. Füchse Duisburg
Strafen
Erfurt: 10’
Duisburg: 10’
Schüsse
Erfurt 35
Duisburg: 29
Tore
Erfurt: M. Keil
Duisburg: P. Sanche, A. Kiedewicz, S. Zolmanis
Zuschauer: 1040
Drittel zwei - der Stimmungskiller
TecArt Black Dragons unterliegen den Füchsen Duisburg mit 1:3
Der Fuchs (Vulpes vulpes) ist ein Tier, das seinen Ruf seiner ihm sprichwörtlichen zugedachten List und Schläue verdankt. Sagt man. Nun ja, die Füchse, die am Freitagabend aus Duisburg angereist waren, hatten nicht anderes im Sinn, als Beute zu machen. Punktebeute. Ist ihr Kerngeschäft, wenn man in der Eishockey-Oberliga Nord um die Krone mit Gegnern aus dem Holländischen und Niedersächsischen kämpft. Also hieß es, Drachen im Thüringischen reißen. Sollte aber nicht so einfach sein. Auch wenn es das ausgesuchte Opfer in zwei Dritteln - dem ersten und dem letzten - versuchte das Leben als Raubtier schwer zu machen. Aber dazwischen lag halt noch das Drittel Nr. 2. Eines zum Vergessen. Für die TecArt Black Dragons.
Erfurt Achter, Duisburg Vierter. Getrennt von zwölf Punkten in der Tabelle. Klare Sache. Aber: beide unter Zugzwang. Die rheinischen Gäste wollen direkt in die Play Offs. Die Saale Bulls Halle sitzen ihnen im Nacken. Die Erfurter wollen in die Pre Play Offs. Sie spüren den Atem des Verfolgers. Mehr noch. Platz sieben wäre ein Platz, mit dem man liebäugelt. In den Pre Play offs würde man damit im Ernstfall drei Auswärtsspielen im Best of five entgehen. Hauptgegner: die Eisbären Hamm. Zwei Spiel haben die Hammer mehr, aber nur fünf Punkte Vorsprung. Und sie sind am Sonntag Gastgeber für die Drachen. Da geht noch was. Dachte sich so mancher. Aber gegen Duisburg ging nichts. Der Gegner war im wahrsten Wortsinne zu „ausgefuchst“., zu pucksicher, technisch und gedanklich versierter und im richtigen Moment ein Plagegeist erster Güte.
Es waren gerade mal 51 Sekunden gespielt, da musste gleich der erste Fuchs auf die Strafbank. Erfurt, für sein effizientes Überzahlspiel zuletzt hochgelobt, ließ diese Gelegenheit - wie die vier weiteren - jedoch ungenutzt verstreichen. Dann wurde aufs Gästetor geballert. Jonas Gerstung, Maurice Keil, Miro Markkula, Niklas Jakob, Santeri Haarala - alle durften mal. Ergebnis: Null. Viel Aufwand, wenig Nutzen. Keine Hundertprozenter. 10. Minute: Strafe Drachen. Patrick Glatzel im 1,83 mal 1,22 Meter großen Tor der Erfurter bekommt Arbeit. Reichlich Arbeit. Danach im Gegenzug: Haarala, Markkula - immer wieder. Aber es fehlt den Hausherren an Präzision. Bis zur 19. Spielminute. Da knackt das Duo Fritz Denner und Maurice Keil den Fuchsbau. Links durch, Rückpass in die Mitte - Tor. Tolle Kooperation.
Ja, und dann das zweite Drittel. In der Vergangenheit schon so oft das Drachen-Verderben. Warum auch immer. Nichts ging mehr. Passspiel unterirdisch, gedankliche Frische und Spielverständnis nicht vorhanden, technische Fehler en masse, kein Angriffsdruck, nur Kampf ums Überleben. Gegen in jeder Hinsicht überlegene Duisburger Füchse, die nun voll aufdrehten. Drachen mit dem Rücken zur Wand, Duisburg fast nur noch im Vorwärtsgang. Minutenlang kam Erfurt nicht aus dem Abwehrmodus. Die logische Folge: 1:1 in der 31. Minute. Erfurt patzt, Philippe Sancho dankt - 1:1. Im Erfurter Publikum - 1040 waren gekommen, darunter eine Handvoll Duisburger Fans - machte sich leises Murren breit. Ein Drittel zum Vergessen. 37. Minute: rumms - 1:2. Adam Kiedewicz verwertet einen Abpraller im Rebound. Scheibe gegen Bein - rein. Au backe.
Irgendwas muss dann in der Kabine passiert sein. Die Drachen fanden plötzlich, dass es auch gar nicht schlecht wäre, mal eigene Akzente zu setzen. Die Fehler aus den 40 Minuten zuvor passierten zwar weiterhin. Aber immerhin war den Thüringern nun das Bemühen anzumerken, sich nicht vom Fuchs fressen zu lassen.
Drittel drei. Fast ein Sinnbild. Duisburg drückt. Erfurt kommt nicht in den Vorwärtsgang. Zu viele Unstimmigkeiten liegen als Hemmschuh im Weg. Erfurts Überzahlspiel verpufft wirkungslos.
49. Minute: Powerbreak. Drachen-Coach Sebastian Wolsch lässt es ohne Ansprache verstreichen. Alles schon in der Drittelpause in der Kabine gesagt. Erfolg mäßig. Was soll man da noch groß fabulieren. Aber seinen Jungs ist das Aufbäumen anzumerken. Man will die Füchse reizen, sie aus Erfurts Bau vertreiben. Immer wieder fliegen die Pucks nur Zentimeter am Kasten der Gäste vorbei oder werden von Duisburgs Keeper Leon Willerscheid unschädlich gemacht. Letztes Mittel: 59. Minute, noch 77 Sekunden zu spielen. Torwart raus. 67 Sekunden zu spielen: Strafe Duisburg. Sechs gegen Vier. Jetzt muss doch was gehen. Geht nicht. Ein halbherziger Schussversuch der Drachen landet bei Duisburgs Topscorer Sandis Zolmanis. Und der schmettert den Puck ins verwaiste Erfurter Tor. Die wiedererwachten Drachen werden kalt erwischt - 1:3. Vulpes vulpes hat seinem Ruf alle Ehre gemacht und zugeschlagen. Beute gemacht. Listig und schlau.
„Ein Punkt wäre verdient gewesen“, resümiert Drachen-Trainer Sebastian Wolsch anschließend. Sein Gegenüber Frank Petrozza war froh, dass seine Jungs „in einem engen Spiel im zweiten Drittel das Reset (Neustart des Systems) genutzt hatten“. Freilich unter gütiger Mithilfe der Hausherren. Die am Sonntag um 18.30 Uhr bei den Hammer Eisbären nun irgendwie schon zum Siegen verdammt sind.
Michael Keller
letzte Änderung: 18.01.2026