TecArt Black Dragons Erfurt vs. Herforder Ice Dragons

Strafen:
Erfurt 8’
Herford 8’
Schüsse:
Erfurt 32
Herford 22
Tore:
Erfurt: E. Herrschaft
Herford: N.Wegner, R. Lindgren, M.Kovacs
Zuschauer: 1233
Schönen Sommer
TecArt Black Dragons verabschieden sich von ihrem Heimpublikum mit einer 1:3-Niederlage gegen Herford im Rennen um den letzten Play off-Platz
Wenn die Fans der TecArt Black Dragons gut drauf sind, singen sie bei Spielunterbrechungen gern mal laut, aber nicht schön, das hierzulande identitätsstiftende „Rennsteiglied“ mit. Ist am Sonntagabend passiert, aber zu lachen gab’s am Ende nichts und so richtig gut drauf waren die Erfurter Fans unter den 1233 Zuschauern in der Kartoffelhalle dann auch nicht. Nur rund 30 mitgereiste Herforder feierten ihre Jungs für das Erreichen des letzten Play off-Platzes. Den hatten auch die Erfurter im Blick, aber nach der 1:3-Niederlage beträgt der Abstand bei nur noch einem ausstehenden Spiel (Dienstagabend in Herne) uneinholbar vier Punkte. Da gingen die Köpfe runter und Wehmut machte sich breit, als die Mannschaft die nun definitive letzte Runde der Saison vor ihren Anhängern drehte und sich in die für Eishockeyfans so elendig lange Sommerpause verabschiedete.
Neunter vs. Achter, getrennt von einem Punkt, lautete die Konstellation vor dem Spiel. Nur ein Sieg zählte. Jede Zurückhaltung wäre fehl am Platze gewesen. Schwer ins Gewicht fiel das Fehlen des gesperrten Fritz Denner, der seit längerem verletzten Routiniers Eric Wunderlich und Harrison Reed sowieso. Also musste es der „Rest“ richten. Der sportliche Leiter der Drachen, Henry Tews, wäre bereit gewesen, einen Hunderter auf seine Jungs zu setzen. Dass das gegen Herford klappen würde, was für ihn vor dem Anpfiff sicher. Er sollte sich, wie so viele andere auch, getäuscht haben. Wette verloren.
Am Blaulicht-Spieltag - Einsatzkräfte von Rettungsdiensten, Polizei und Feuerwehr hatten freien Eintritt - begrüßte Drachen-Präsident Martin Deutschmann das Eishockey-Volk. „Willkommen zum Endspiel“. Eines, das dann an Drama nicht zu überbieten sein sollte und leider kein Happyend aus Erfurter Sicht parat hatte. Das Entscheidungsspiel begann denn auch mit Feuerwehrtempo beider Teams. Bei den Drachen fiel das Missverhältnis von Aufwand und Nutzen ins Auge. Und ein kapitaler Bock in der fünften Minute. Youngster Phil Bischoff wollte hinterm Tor Kunst aufführen und seinen an ihm klebenden Gegner ausspielen. Ging schief, der Puck wurde vors Tor bugsiert, dort fackelte Herfords Nils Wegener nicht lange - Tor. 0:1. Stille. In der Folge gab es den Versuch beider Kontrahenten Linie ins Spiel zu bekommen. Das misslang oft. Druck war da, aber keine Präzision. Belagerung ohne Ertrag. Da half auch das „Rennsteiglied“ nicht.
In den nächsten beiden Dritteln verlagerte sich das Spiel immer deutlicher in Richtung Herforder Tor. Der Kontrahent wankte, aber er fiel nicht. Viel Laufarbeit, viel Einsatz, aber am Ende war immer was dazwischen - Fuß, Hand, Schläger, Pfosten. Mehrfach lagen ringende Spielerknäuel im Kasten des jeweils anderen. Dennoch gelang kein Tor. Eine Angriffswelle nach der anderen rollte auf die Kiste von Gästetorwart Jakub Urbisch zu. Ohne etwas Zählbares.
Im letzten Abschnitt versuchten die Drachen dann alles. Und kassierten eine fragwürdige 2-Minuten-Strafe gegen Jonas Gerstung. Das dicke Ende nur 20 Sekunden später. Ryley Lindgren fackelte nicht lange - 0:2 (47.) Er schaffte, was Erfurt zuvor zwei Mal nicht gelungen war - ein Überzahltor. Alle Messen gesungen. Nein, noch nicht. 48 Sekunden nach diesem Nackenschlag rafften sich die Black Dragons auf. Gerstung Hintertor-Pass auf Enzo Herrschaft, drin (48.). Hoffnung keimte. Die Hochspannung war mit Händen zu greifen. Erfurt warf alles, was einen Schläger halten konnte, nach vorn. Das Ausgleichstor, es konnte doch nur ein Frage der Zeit sein, dachten die euphorischen Fans. 60. Minute: Jaaaa. Tom Banachs Schuss schnippt aus dem Tor oder vom Pfosten ins Feld zurück. War er drin? Videobeweis. Hundertfaches Fingernägelkauen. Kein Tor. Kollektives Stöhnen. Auszeit. 26,8 Sekunden vor dem Ende, das dann definitiv wäre. Es sei denn, es geht nochwas. Geht auch, aber es geht nach hinten los. 17,8 Sekunden vor dem Abpfiff schlägt es ein - im Erfurter Tor. Die Drachen hatten ihren Torwart Patrick Glatzel Umsonst. für einen sechsten Feldspieler geopfert. Herfords Mathys Kovacs macht den Deckel drauf. 1:3. Aus.
Herfords Trainer Henry Thom sprach nach dem Abpfiff von einem „hart erkämpften Sieg“, der „keinen Schönheitspreis verdient“ hatte. Drachentrainer Sebastian Wolsch wollte seinen Jungs keinen Vorwurf machen. In dieser Drucksituation so ein Spiel hinzulegen nötige ihm vor jedem Spieler Respekt ab. Die Play off-Teilnahme habe man freilich woanders liegen gelassen. Nun sei es am Dienstagsspiel in Herne wenigstens noch das letzte Minimalziel, nicht Tabellenletzter zu werden.
Michael Keller
letzte Änderung: 14.03.2026