Der Kapitän bleibt an Bord - Interview mit Sebastian Hofmann

Mannschaft Der Kapitän bleibt an Bord - Interview mit Sebastian Hofmann
Der Kapitän bleibt an Bord

Sebastian Hofmann, der im letzten Jahr die TecArt Black Dragons als Kapitän anführte, bleibt dem Verein auch im zwölften Jahr treu. Wir haben ein kurzes Interview mit Sebastian geführt.

Sebastian, dein zwölftes Jahr im Drachentrikot steht an. Letzte Saison hat dich die Mannschaft erstmals zum Kapitän gewählt, was sicherlich eine verantwortungsvolle und umfangreiche Aufgabe für dich war. Wir wollen wissen, wie du die Saison erlebt hast und wo du unsere Drachen in der nächsten Saison siehst. Aber greifen wir erst einmal ein Stück zurück.

Wie bist du damals (Saison 2007/2008) zu den Drachen gekommen?

Das war eine recht spontane Entscheidung. Braunlage ist zu dieser Zeit in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Erfurt war nahgelegen und für mich die einzige Option, Eishockey unter professionellen Bedingungen weiterzuspielen. Über Karl-Heinz Mortag, der auf mich zukam und mich auf meine Situation ansprach, wechselte ich dann zu Drachen.

Was macht den Verein so besonders, dass du so lange hier geblieben bist?

Mit dem Wechsel des damaligen Vorstandes kam der EHC Erfurt auf eine wirtschaftlich sehr solide Basis. Ich bekam im zweiten Jahr über den Verein eine Zivilstelle vermittelt, woraufhin ich mich entschied, mein Studium für Lehramt in Erfurt zu beginnen. Diese Entscheidung, neben dem Eishockey für meine berufliche Zukunft zu sorgen, war der Beginn der langfristigen Zusammenarbeit mit den Drachen. In der gesamten Zeit bis heute verlief alles nach meinen Vorstellungen, so dass ich keine Gedanken daran verschwendete, für einen anderen Verein zu spielen. Zudem war ich mit der Arbeit und der Ehrlichkeit im und rund um den Verein immer zufrieden.

Wie hast du den Verlauf der letzten Saison als Kapitän unserer Mannschaft erlebt?

Vorneweg. Es gab und gibt einige Spieler, die ebenfalls lange im Verein sind und sicherlich auch berechtigte Anwärter auf dieses Amt waren. Daher habe ich mich erst einmal sehr gefreut, dass mir die Mannschaft das Vertrauen geschenkt hat, wohl gleich mir bewusst war, dass ich in die großen Fußstapfen von Christian Grosch treten würde. Die Saison habe ich durchwachsen erlebt. Wir hatten im Gesamtverlauf gute Zeiten und weniger gute Zeiten. Die Niederlagenserie in der Mitte der Saison hat dem Team ziemlich zugesetzt. Da wächst natürlich der Druck auf die Mannschaft, was auch in meiner neuen Position eine echte Herausforderung war. Wir haben uns jedoch gefangen und letztlich die Teams hinter uns gelassen, vor denen wir mit unserem Anspruch stehen sollten. Aber es wären sicherlich zwei Plätze weiter oben drin gewesen. Der Modus in der zweiten Runde hat dann sein Übriges dazu beigetragen, dass die Chancen auf einen Playoff-Platz praktisch nicht mehr vorhanden waren. Daher meinen Respekt an die Mannschaft und die Fans, die Qualifikationsrunde in diesem positiven Maße durchgestanden zu haben.

Wie hast du dich selbst in dieser neuen Rolle gefühlt?

Wie gesagt, es war ein gutes Gefühl, dass mich das Team gewählt hat. Ich habe unheimlich viel dazu gelernt. Doch es ist auch eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, die größer ist als man anfänglich denkt. Es war ein sehr intensiver Lernprozess, sich auch sachlichen und persönlichen Dingen neben dem Eis anzunehmen und diese zu organisieren bzw. zu lösen.

Du hast im Februar mit deinem Referendariat begonnen. Nun heißt es auch für dich Arbeit und Eishockey in Einklang zu bringen. Wie gehst du ran?

Jetzt im Sommer ist es überschaubar und gut zu vereinbaren mit den Trainingszeiten. Im Winter wird die Belastung natürlich viel höher sein, wie auch für einige andere Teamkollegen. Letztlich geht man tagsüber seiner regulären Arbeit nach und spielt dann „nebenbei“ Eishockey unter Profibedingungen mit mindestens viermal Training in der Woche und zwei Spielen am Wochenende. Das ist ein hoher Aufwand, den ich und wir gern betreiben. Natürlich muss auch das berufliche Umfeld in dieser Situation mitspielen. Die Abwesenheiten bei Auswärtsfahrten am Freitag oder den Heimfahrten Sonntag in der Nacht müssen an der Arbeitsstelle organisatorisch bewältigt werden. Da bedarf es viel Kulanz seitens der Arbeitgeber.

Ein kurzer Ausblick in die neue Saison – Wie schätzt du die Chancen für unsere Drachen ein?

Ich bin sehr guter Dinge. Es wurden viele neue und wichtige Impulse gesetzt. Es gibt einen neuen Trainer, einen neuen Vorstand, unsere Leistungsträger Robin und Michal konnten gehalten werden und die erste Neuverpflichtung mit Jakub Körner sind gute Vorzeichen. Die Oberliga Nord wird auch in der kommenden Saison stärker werden. Die Spieler aus Duisburg werden in verschiedenen Vereinen verpflichtet, wobei Duisburg selbst eine Wundertüte sein wird. Einige Spieler aus der DEL2 kommen in die Oberliga, so dass in Gesamtheit die Anforderungen und das Leistungsniveau steigen. Es wird sicher darauf ankommen, wie sich unsere Mannschaft zusammenfindet und wie wir unter Fred Carroll spielen. Es ist daher aktuell schwer eine Prognose abzugeben, aber ein Playoff-Platz sollte das Ziel sein! Ich denke, wir dürfen gespannt sein.
geschrieben am 09.05.2018
Stichworte: Mannschaft