Zurück in der Heimat mit klarem Fokus

Mannschaft Zurück in der Heimat mit klarem Fokus
Maurice Keil hat bei den Young Dragons Erfurt das Eishockeyspielen gelernt. Als einer von wenigen Erfurter Nachwuchsspielern schaffte er bereits mit 20 Jahren den Sprung in die DEL 2. Mit den Jungadlern Mannheim, welche als eine der besten Nachwuchsschmieden in Deutschland gilt, wurde er fünfmal Deutscher Meister und spielte in den Nachwuchsnationalmannschaften. Jetzt ist Maurice zurück in Erfurt. Was das junge Talent dazu bewegt hat, wieder für seinen Heimatverein zu spielen, wie er zum Eishockey gekommen ist und wo die Reise in Zukunft hinführen soll, erfahrt ihr im folgenden Interview.

Maurice, herzlich willkommen in Erfurt. Wie geht's dir und wie fühlt es sich für dich an, wieder hier zu sein?

Ja, Danke. Mir geht's gut. Ich brauche noch ein wenig Zeit, um mich wieder zu 100% in Erfurt zurechtzufinden. Zwar war ich den letzten Jahren jeden Sommer für eine gewisse Zeit hier, um meine Familie zu besuchen, aber jede Ecke kenne ich auch nicht mehr. Ich freue mich sehr hier zu sein. Erfurt ist eine wunderschöne Stadt und ein deutlicher Kontrast zu Crimmitschau. Das passt.

Klingt gut. Es ist jetzt knapp sieben Jahren her, als es dich wegen dem Eishockey Richtung Mannheim verschlagen hat. Das schaffen nicht viele Nachwuchsspieler. In der letzten Saison bist du für die Eispiraten Crimmitschau in der DEL 2 aufgelaufen. Aber vorne weg. Wie bist du denn überhaupt zum Erfurter Eishockey gekommen?

Meine Eltern haben mich im Alter von drei Jahren zu einem Spiel der Black Dragons mitgenommen. Anschließend brachten sie mich zum Schnuppertraining, bei dem ich meine ersten Gehversuche wagte. Es machte mir riesig Spaß und ab diesem Zeitpunkt war ich mit dem Eishockey verbunden. In meinem Jahrgang gab es nicht viele Spieler in Erfurt, so dass wir mit den Älteren trainierten. Das hat mich natürlich ein stückweit nach vorne gebracht, da ich mich gegen die drei bis viere Jahre älteren und körperlich größeren Spieler durchsetzen musste.

Wie ging es dann weiter?

Im Alter von 12 Jahren begann dann die Schülerbundesliga-Zeit. Das war auch der Beginn der Kooperation mit dem ESC Dresden. Wir hatten anderthalb Reihen und Dresden ebenfalls, so dass sich beide Vereine damals zusammenschlossen. Wir spielten gemeinsam in der Schülerbundesliga und  in der Böhmischen Liga. Da waren Spieler dabei, die bereits mit 15 Jahren 1,90 Meter groß waren. Ich selber war körperlich recht schmächtig. Aber diese Spiele haben mir ungemein geholfen mich durchzusetzen und an meiner Stabilität zu arbeiten.

In dieser Spielgemeinschaft mit Dresden von 2008 bis 2011 hast du, trotz deiner vermeintlichen körperlichen Nachteile, gut Punkte gemacht. Dadurch ist Frank Fischöder von den Jungadlern Mannheim auf dich aufmerksam geworden. Was passierte dann?

Meine Eltern teilten mir mit, dass Mannheim Interesse hat. Ich hatte einen Monat Zeit mich zu entscheiden. Da es in Erfurt zu dieser Zeit nicht wirklich eine Option gab, weiterzuspielen aufgrund der Lücke zwischen dem Schülerbereich und der ersten Mannschaft, sagte ich zu. Nachdem ich die Probetrainings absolviert hatte, wurde ich genommen.

Die Jungadler Mannheim gelten als ein hochangesehenes Nachwuchszentrum im deutschen Eishockey. Viele namhafte Spieler, wie Leon Draisaitl, Dominik Kahun oder Frederik Tiffels mit denen auch du zusammengespielt hast, waren Jungadler. Zudem wurden unzählige Deutsche Meisterschaften gewonnen. Was wurde getan um Spieler so gut zu entwickeln?

Das ganze Konzept der Nachwuchsentwicklung ist in Mannheim natürlich professionell aufgezogen. Angefangen vom Scouting, über die Trainingsbedingungen, hin zur Betreuung. Ein Tag bei mir ging um 6 Uhr los - Aufstehen, Frühstück, Fahrt mit dem Bus vom Internat zur Eishalle. Um 8 Uhr war das erste Training. Im Anschluss mit dem Bus zurück und von 10 bis 16 Uhr die Schulbank drücken. Danach ging es zum nächsten Training, 2 Stunden Kraft, 1,5 Stunden Eis. Um 22 Uhr waren wir dann wieder im Internat. Im zweiten Jahr DNL durfte ich ab und zu  bei der DEL-Mannschaft mittrainieren.

Es folgten fünf deutsche Meisterschaften ehe du über Bad Nauheim mit Förderlizenz in Leipzig und Crimmitschau deine ersten Männerspiele absolviert hast. Wie war deine Erfahrung in der DEL 2?

Es war ganz kurios. Innerhalb von 24h Stunden ging es ein Tag vor Saisonbeginn von Bad Nauheim nach Crimmitschau. Am nächsten Tag war dann schon das erste Saisonspiel. Das war eine interessante Erfahrung wie schnell es gehen kann. Die Saison selbst lief für uns richtig gut an. Auch meine Reihe lief richtig gut. Zu Weihnachten/Neujahr sind wir dann mit der Mannschaft ein wenig eingebrochen und es kamen neue Spieler. Ab da kam ich zu immer weniger Einsatzzeiten. Zu Beginn der Playoffs hatte ich mir die Rippe gebrochen und danach kam ich leider gar nicht mehr zum Zug.  Ich hätte die Möglichkeit gehabt, nächste Saison in Bad Nauheim DEL 2 zu spielen. Aber nach der Erfahrung in Crimmitschau habe ich mich entschlossen, erst einmal einen Schritt zurück zu gehen, um mehr Spielpraxis zu sammeln.

Jetzt bist du zurück in Erfurt und wirst in der kommenden Saison für die TecArt Black Dragons in der Oberliga Nord auf Torejagd gehen. Wie kam es dazu?

Ich war auf der Suche nach einem Verein, in dem mich weiterentwickeln kann. Es gab viele Anfragen. Aber das Vereinskonzept des EHC hat mich überzeugt. Zudem steht der EHC für Loyalität, Ehrlichkeit und Nachwuchsförderung. Ich will spielen, ich will Leistung zeigen, mehr Verantwortung übernehmen und mich als Spieler persönlich und spielerisch weiterentwickeln. Das schaffst du nur, wenn du spielst. Diese Chance habe ich in Erfurt. Zudem leben meine Familie und meine Freunde hier. Eine gewisse Vertrautheit zum persönlich Umfeld ist nach all denen Jahren absolut vorhanden.

Was sind deine Ziele mit dem EHC Erfurt und den TecArt Black Dragons?

Natürlich absolut erfolgreich sein und möglichst jedes Spiel gewinnen. Das Team muss gut zusammenfinden und eine überzeugende Saison spielen. Ich will mit meiner Leistung alles dazu beitragen, dass die Mannschaft erfolgreich ist. Ein Playoff-Platz sollte das Ziel sein. Ich freue mich auf die Zeit.

Was sind deine persönlichen Ziele?

Wie gesagt, ich will alles, was ich habe, in Erfurt in die Waagschale werfen, mich weiterentwickeln und damit der Mannschaft helfen. Mein Traum irgendwann noch einmal DEL2 oder vielleicht DEL zu spielen, ist nach wie vor vorhanden. Aber man weiß nie was passiert, daher denke ich von Saison zu Saison. Auf jeden Fall bin ich erst einmal sehr glücklich bei den TecArt Black Dragons eine Chance zu bekommen und freue mich riesig auf die Saison.
geschrieben am 20.06.2018
Stichworte: Mannschaft