Strafen
Erfurt 8’
Hannover 31’
Schüsse
Erfurt 22
Hannover 36
Tore
Erfurt: M. Markkula (2), M. Keil, T. Banach, R. Kramer
Hannover: C. McMillan (2), P. Aquin (2), J. Kirsch, M. Vallerand, N. Hauner
Zuschauer: 579
Notorischer Rüpel im Mittelpunkt
TecArt Black Dragons unterliegen dem Oberliga-Krösus aus Hannover mit 5:7
120 Sekunden vor der Schlusssirene wurde am Dienstagabend in der Kartoffelhalle gesungen. „Einer geht noch rein“, intonierten 571 Zuschauer. Die acht Unentwegten, die mit dem finanzstarken Tabellenführer der Eishockey-Oberliga Nord, den Hannover Skorpione (HSC) zu den TecArt Black Dragons nach Erfurt gereist waren, beteiligten sich nicht. Hätten sie mitgemacht, hätte es aber auch gepasst, denn die Skorpione stachen 18 Sekunden vor Ultimo zu und trafen durch Justin Kirsch nach einem misslungenen Abwehrschlag der Drachen zum 5:7 ins verwaiste Tor. In einem Spiel, das einen recht ordentlichen Unterhaltungswert hatte.
Das, was bereits 85 Sekunden nach dem Anpfiff passierte, war aber eher aus der Rubrik „unterste Schublade“. Da meinte Hannovers Stürmer Ryan Olsen nämlich, es sei jetzt an der Zeit, seinen Kontrahenten Eric Wunderlich im Stile einer Dampframme in die Bande zu nageln. Wunderlich blieb Minuten lang liegen, musste behandelt und letztlich mit der Trage vom Eis geholt werden, da er selbst zum Laufen nicht mehr in der Lage war. „Was am Knie“ habe er abbekommen, so Drachen-Trainer Sebastian Wolsch. Wie schwer die Verletzung des Abwehrmannes ist, sollte am Mittwoch bei einer genauen medizinischen Untersuchung herausgefunden werden.
Hannovers unfairer Neuzugang flog nach Ansicht der Videobilder mit 5+20 Spieldauerstrafe vom Eis. Ein Umstand, mit dem der Rüpel in seiner Karriere schon öfter Bekanntschaft machen durfte. Der 31-jährige Deutsch-Kanadier war in der Vergangenheit immer wieder durch rücksichtslose üble Fouls aufgefallen. Allein in der Saison 2022/23, als er für Frankfurt in der DEL spielte, wurde er in nur drei Monaten sechs Mal - zuletzt gar mit einer zehn Spiele andauernden Sperre, bestraft. Frankfurt warf ihn deswegen raus. Bei den Berliner Eisbären und zuletzt bei der Düsseldorfer EG nahm man von einer geplanten Verpflichtung des „dreckigsten Spielers der DEL“ (Sport1) Abstand. Gelernt hat er daraus wohl nichts. Wie Eric Wunderlich schmerzvoll erfahren musste. Was Scorpions-Coach Rico Rossi aber nicht davon abhielt zu erklären, es sei „kein böser Check“ gewesen. Olsen sei ein „großer junge, der immer mit hoher Intention“ spiele. Er jedenfalls habe „kein Problem mit Olsen Spielart“.
Nach Fortsetzung des Matches nutzten die Black Dragons die Strafzeit zum 1:0. Miro Markkula hielt den Schläger in einen Schuss von Chris Seto und fälschte unhaltbar ab (5.). Kurz darauf traf Markkula nur den Pfosten. Als Erfurt zwei Minuten auf Jonas Gerstung verzichten musste, nutzte Carson McMillan die Überzahl zum Ausgleich für den Gast (13.). Sekunden vor Abpfiff des ersten Drittels lenkte Scorpions-Keeper Leon Hümer bei einem Hammer von Rene Kramer die Scheibe gedankenschnell über den Kasten. Pause. Nach einem Drittel, in dem Hannovers technische Überlegenheit und Schnelligkeit auffiel.
Drittel zwei begann aber wieder mit einem Erfurter Paukenschlag. Nach schöner Einzelleistung schaffte es Maurice Keil, die Scheibe ins HSC-Tor zu stochern (22.). Die Freude währte aber nicht lange. Drei Minuten später schnappte sich Pascal Aquin den Puck im eigenen Drittel, zog kräftig an und wurde kaum bei seinem Sturm auf Erfurts Tor gestört. Ausgleich (25.). Es folgten regelrecht wüste Szenen vor Erfurts Kasten, weil der Gast aus dem Niedersächsischen die Zügel anzog und zum Sturm blies. Mit Erfolg. 29. Minute: Wieder McMillan. Keine Attacke der Drachen, freier Schuss - 2:3. Kurz darauf musste Kramer in höchster Not retten und den Puck von der Linie kratzen. Den Erfurter gelang in dieser Phase nicht viel. Das dritte Tor hatte den Drachen wohl die Nüstern verklebt. Feuer spucken war gerade nicht angesagt. Dafür lief Hannover den Hausherren den Rang ein ums andere Mal ab. Schneller auf den Beinen und im Kopf. Folgerichtig das 2:4, wieder saß ein Erfurter in der Kühlbox. Die Scorpions kombinierten sich in Überzahl locker durch, Marc-Oliver Vallerand verwertete die Vorarbeit (39.).
Und so ging es weiter. 41. Minute: Norman Hauner zog wie das Messer durch die weiche Butter, scheiterte aber am aufmerksamen Drachen-Torwart Justin Spiewok. 44. Minute: wieder Überzahl Hannover. 20 Sekunden dauerte es, ehe wieder Aquin zum 2:5 vollendete. Alle Messen schienen gesungen. Zumal die Gäste bei ihren schnellen Kontern immer brandgefährlich auftraten. Doch dann kam der Moment von Tom Banach. Durchbruch auf der rechten Flanke und trockener Schuss ins kurze Eck, über die Fanghand von Hümer hinweg. Hoffnung keimte. Aber in der 50. Minute war wieder Hannover dran. Hauner traf zum 3:6. Aufgeben ist nicht, dachte sich Miro Markkula. 59 Sekunden später ging der kleine Finne ab durch die Mitte. Nils Herzog hatte ihn in die Spur geschickt. Keine Gegenwehr - 4:6 (51.). Als dann Rene Kramer mit feinem Rückhandtrick das 5:6 erzielte (58.), muss den Aufschrei der Fans in der Halle wohl auch der in Kabine liegende Eric Wunderlich gehört haben. Aber das Empty Net-Tor zum 5:7 zog den Drachen dann endgültig den Stecker in einem „teilweise guten Spiel“, wie Drachencoach Sebastian Wolsch später seinen Männern attestierte.
Leichter wird’s übrigens nicht. Am Freitag geht es zum Uralt-Rivalen nach Halle. Garantiert mit stimmgewaltiger Unterstützung der Drachen-Fans.
Michael Keller
letzte Änderung: 08.01.2026