TecArt Black Dragons Erfurt vs. Hammer Eisbären

Strafen:
Erfurt: 10“
Hamm: 4“
Schüsse:
Erfurt: 44
Hamm: 33
Tore:
Erfurt: S. Haarala (2x)
Hamm: D. Lascheit (2x), L. Reuß
Zuschauer: 777
„Das war’s“ - war’s das aber wirklich schon?
Eishockey-Oberliga Nord: TecArt Black Dragons unterliegen in einer richtungsweisenden Partie gegen die Eisbären aus Hamm 2:3
Lag es am Freitag, den 13.? Leute mit Hang zum Aberglauben würden diese nichtirdische Zuweisung sofort unterschreiben. Aber so einfach ist es nicht, wenn man nach einem Erklärmuster für diese so wichtige, weil richtungsweisende Partie in der Eishockey-Oberliga Nord sucht. Fakt ist. Die Drachen müssen die Flucht nach vorn antreten, um das Minimalziel der Saison, die Teilnahme an den Play Offs nach zuletzt ernüchternden Niederlagen wenigstens noch auf der Felge erreichen zu können.
Nach diesem Desaster muss man sagen: Das wird eine Herkulesaufgabe. Klar, Erfurt muss den Ausfall überlebenswichtiger Spieler verkraften (Eric Wunderlich, Harrison Reed). Klar auch, das Erfurter Erfolgspublikum, das gern kommt, wenn es gut läuft, sich aber nun in peinlicher Zurückhaltung übt, wo es doch so wichtig wäre, den Dragons das Vertrauen auszusprechen - fehlt. 777 Zuschauer zum Freitagabend, wo sonst zu Hochzeiten 1400 Fans ihren Cracks den Rücken stärkten. Vier davon, so wurde gezählt, kamen aus NRW, um ihren Eisbären zuzuschauen. Beim Siegen, wie sich schlussendlich herausstellen würde. Sehr zum Verdruss der ernüchterten 773 Drachen-Fans.
Der Spielfilm: Zwei Drittel zum Vergessen. Viel Kleinkram, viel Geholper und halbherziges Agieren. Beide Teams kreierten da kein Ruhmesblatt der Eishockeykunst. Man nahm sich nicht viel. Zerfahren, ohne klare Linie, Larifari, statt Spielkultur und strukturiertem Passspiel zerstückeltes Bemühen ohne das, was ein Eishockeyspiel würzt: Tore. Oft Getümmel, aber es fehlte das finale Glück. Der Puck führte meist ein Eigenleben, schnippte mal hierhin, mal dorthin, kullerte gelangweilt ins Niemandsland, hoppelte auf dem Eis überall hin, ins unbesetzte Nirgendwo, nur nicht ins Tor. Zum Haare Raufen. Wahrlich nichts für Feinschmecker. Und manch einer fragte sich: Ist das nun Fisch? Ist das nun Fleisch? Oder ist das nun Rohkost?. Eher Letzteres.
Oftmals Getümmel vor dem jeweiligen Kasten. 23. Minute: Bisschen Haarala, bisschen Herrschaft, bisschen Herzog. Auf der Gegenseite ballert Hamms Gianlucca Balla aufs Erfurter Tor. Erfolg jeweils: Null. Dann ein Kulminationspunkt. 27. Minute: Hamms deutsch-kanadischer Torwart Kyle Hagen liegt auf dem Rücken wie ein Käfer, alle sind aufgeregt. Irgendwie. Gedränge, Geschrei, Abpfiff. Tor? Videobeweis. Die Schiris entscheiden: kein Tor. Nach dem Spiel hieß es, man habe auf dem Monitor deutlich sehen könne, dass die Hartgummischeibe klar die Linie überschritten haben soll. Die Referees haben das anders gesehen. Und was bleibt ist die Frage: Was wäre passiert, wenn das Tor gegeben worden wäre? Antwort: Wohl keine 50-minütige Magerkost. 0:0, zweieinhalb Drittel lang, in einem Eishockeyspiel: Ist das ein Ritterschlag für die Abwehrreihen oder ist das ein Beleg für das Versagen der Sturmreihen? Die Fragen müssen sich beide Teams selbstkritisch beantworten. Denn ein Torefestival stand zu keinem Zeitpunkt zur Debatte. Beide Mannschaften versuchten Kraft ihrer Mittel, etwas zu ändern an der Torflaute. Gelang nicht.
Ja, und dann kam das Schlussdrittel. Da platzte der Knoten. Gleich in mehrfacher Hinsicht. Plötzlich überschlugen sich die Ereignisse. Da standen einige Dinge im Mittelpunkt, die ebenfalls erwähnenswert sind. 42. Minute: Miro Markkula in einer 1:1-Situation: Sieger: Hamms Torwart Hagen. 43. Minute: Hamms Christian Schilling wird aus nächste Nähe von einem Schlagschuss Santeri Harallas in die Wade erwischt. Volle Kanne. Liegt mit Schmerzen auf dem Eis, schleppt sich raus. Zwei Minuten und einen Eisbeutel später steht der Teufelskerl wieder auf dem Spielfeld. Das sollte man mal Fußballern mit Schauspielavancen zeigen. Dritter Aufreger - 47. Minute: Ausgerechnet Erfurts Eishockey-Urgestein und Geschäftsstellenleiter der Drachen, Stefan Ritzmann, den alle nur „Huskie“ - warum auch immer - nennen, bekommt einen abgefälschten Puck im Oberrang an den Kopf, muss vom Mannschaftsarzt behandelt werden. Eishockey ist ein harter Sport - auch als Unbeteiligter.
48. Minute: Santeri Haarala geht wieder im Solo Richtung Eisbären-Tor, schießt den Puck aber dem Keeper in die Arme. Bezeichnend. Und dann wird’s wild. 49. Minute: Wildes Gewürge vor Hamms Kasten. Viel Aufwand, kein Treffer. 50. Minute: der Türöffner. Meint man. Endlich ein durchgängiger Spielzug quer über die Spielfläche, Pass von Chris Seto nach links auf Haarala und der klinkt ein. Jubel, Jubel, Jubel. Jetzt gehts los. In dem Fall nach hinten.
Nur 38 Sekunden später erstirbt nämlich das Freudengeheul. Hamm gleich postwendend aus. Quasi im Gegenzug. Dominik Laschet beweist, warum er den Goldhelm in seinem Team zu Recht trägt. Weiter ging die plötzlich wilde Hatz: 52. Minute: Niklas Jakob knallt den Puck an den Pfosten. Gleiche Minute: Schöne Drachen-Kombi hintenrum. Die Spielgemeinschaft Seto-Markkula-Haarala bringt die Fans zum Ausrasten: 2:1. 55. Minute: Joe Kiss, Fritz Denner und Maurice Keil stehen jeweils blank vor Hamms Torwart. Und vergeigen alle. Die Quittung folgt in der 57. Minute. Lars Reuss trifft für Hamm zum Ausgleich links in den Winkel. Patrick Glatzel, der in dieser Woche Papa eines Söhnchens wurde, sieht nix. Sicht versperrt. Puck drin. Und dann kommt es ganz ganz dicke. 82 Sekunden, bevor der Blick bei den Drachen vollends nach unten ging, klinkt Goldhelm Lascheit für Hamm erneut ein. Totenstille. Schock. Patrick Glatzel muss unter dem Eindruck gleich noch zweimal in höchster Not retten (59./60.). Klasse-Saves des jungen Vaters. Geholfen hat es freilich nichts mehr.
Die kurzen Statements nach Spielschluss lassen erahnen, wie die Gemütslage der Trainer aussah. Hamms Coach Tobias Stolikowski: Zerfahrene Partie, geackert, gemacht, kein feines Eishockey. Wir sind glücklich ob der drei Punkte. Nichts anderes zählt“. Der total frustrierte Drachen-Coach Sebastian Wolsch: „Das war’s“, Sprichst, knallt das Mikrofon hin und geht. Mehr braucht es keines Kommentars. Man möchte anschließend in der Drachen-Kabine nicht Mäuschen spielen wollen.
War’s das wirklich schon? Dank Leipzig und Rostock, die gegen Herne und Herford jeweils gewonnen haben, blieb der Abstand auf die Verfolger bei drei Zählern. Aber nun hilft nur noch Liefern. Am Sonntag, 18.30 Uhr, in Herford. Verlieren verboten. Sonst wird es eng, ganz, ganz eng. Und der Freitag, der 13. kann dann auch nicht mehr als Erklärmodell herhalten.
Michael Keller
letzte Änderung: 15.02.2026